In Deutschland wird immer mehr gelacht. In der folgenden Veröffentlichung der Stuttgarter Zeitung wurde über das arbeitsvertraglich verbriefte Mecker- und Jammerverbot in der Softwarefirma Nutzwerk berichtet. Ramona Wonneberger, Geschäftsführerin von Nutzwerk, erzählt in einem Interview, wie sie durch Antiärgertrainings mehr Fröhlichkeit an die Arbeitsplätze bringt und damit die Arbeitsproduktivität gesteigert wird.

Zitate und Interview aus: Stuttgarter Zeitung, 13.01.2007, Wochenendbeilage S. 44

Wer zu viel motzt, wird gekündigt
Von wegen Dampfablassen: es wird immer mehr gelächelt

(Von Regina Voges)

… "Wer schaffen will, muss fröhlich sein", meinte schon Theodor Fontane. Was der Dichter nicht ahnte: er hat sich mit diesem Satz zum Vordenker einer modernen Arbeitskultur gemacht …

Die Leipziger Unternehmerin Ramona Wonneberger hat die zersetzende Kraft des sinnlosen Nörgelns erkannt und ihren 15 Mitarbeitern per Arbeitsvertrag gute Laune verordnet. Wer in ihrem IT-Unternehmen zweimal beim Motzen erwischt wird, muss den Hut nehmen. Nur konstruktive Kritik ist erlaubt. Seither geht es mit ihrer auf Virenschutz spezialisierten Firma steil bergauf, sagt Wonneberger, und die Chefin gibt in Antiärgerseminaren landauf, landab ihre betriebsinternen Erfahrungen mit der Gutelaunestrategie weiter. Das zieht natürlich Kreise, die ewigen Nörgler stehen plötzlich hoffnungslos im Abseits.

Ramona Wonneberger gibt Gute-Laune-Kurse

Ramona Wonneberger, die Chefin des Leipziger Virenschutzherstellers Nutzwerk, bringt mit Antiärgerseminaren mehr Fröhlichkeit an den Arbeitsplatz.

 

Anatiärgerspezialistin Wonneberger

Stuttgarter Zeitung: Was denken Sie, wenn Sie bei einer Fußballübertragung einen Trainer am Spielfeldrand toben sehen?

Wonneberger: Ich schmunzle nur. Ein Trainer tobt, und der andere Trainer freut sich wahrscheinlich. Das ist Fußball.

Stuttgarter Zeitung: Meckern und Maulen sind in Ihrer Firma arbeitsvertraglich untersagt. Da muss sich die Chefin doch auch irgendwann mal mächtig geärgert haben – worüber?

Wonneberger: Über die ganz normale Grüppchenbildung in der Firma, wenn kollegial über alle möglichen Lebenssituationen gemeinsam gemeckert wurde. Nur wer ständig seine Mitmenschen oder Lebensumstände verurteilt, ärgert sich und hat scheinbar Grund, sich aufzuregen. Mit solchen Mitarbeitern macht das Arbeiten keinen Spaß. Wer sich lange an unschönen Gedanken festhält, kann nicht mit Freude Kunden betreuen oder sein Leben genießen. Man kann immer nur einen Gedanken denken, deshalb schließen Ärger und Freude einander aus.

Stuttgarter Zeitung: Was lernt man in Ihren Antiärgerseminaren?

Wonneberger: Anhand von Ärgergeschichten aus dem Berufs- oder Alltagsleben zeige ich auf, dass wir in jeder Minute unseres Lebens entscheiden, über wen, worüber und wie lange wir uns ärgern wollen. Es gibt nur drei Alternativen: sich ärgern, das Ärgernis abstellen oder das Unabänderliche akzeptieren.

Stuttgarter Zeitung: Ist Geschäftserfolg allein eine Frage der guten Stimmung?

Wonneberger: Aus meiner Sicht ist die Stimmung im Unternehmen einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren. In einer Firma, deren Mitarbeiter sich nicht zwei Stunden täglich, sondern nur zehn Minuten an ärgerlichen Gedanken festhalten, macht die Arbeit mehr Spaß. Das Klima stimmt, und eine enorme Verbesserung der Ergebnisse ist dann noch mehr Grund zur Freude.

Stuttgarter Zeitung: Bewältigt man mit Antiärgerstrategien auch die großen Lebenskrisen?

Wonneberger: Jeder Mensch entscheidet durch seine Gedanken, was eine große Lebenskrise für ihn ist. Superman Christopher Reeve war seit 1995 querschnittsgelähmt und hat die letzten neun Jahre seines Lebens genutzt, anderen Schwerbehinderten Mut zu machen. Es soll andererseits Menschen geben, die schon ausrasten, wenn ihr Kind das Schuljahr wiederholen muss oder wenn ihm das neue Fahrrad gestohlen wurde. Die Situationen in unserem Leben sind nicht immer toll. Oft liegt es aber an uns, die Dinge anzupacken, sie aktiv nach unseren Vorstellungen zu ändern. Jammern, Meckern und Nichtstun gehören zu den schlimmsten Dingen, die wir uns selbst und den Menschen, die uns umgeben, antun können.

 

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