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Pressemitteilung 20. Januar 1999 Das Browser-Betriebssystem Eine Firma aus Halle hat ein System entwickelt, mit der Unternehmen ihre gesamte Kommunikation erledigen können, ohne daß dafür auf den Rechnern der Mitarbeiter auch nur eine Zeile Code installiert werden muß. Technische Neuerungen nehmen in den Neunzigern selten den Haupteingang. Innovation ist weniger das Produkt einer einsamen genialen Idee - der Druckpresse, dem Dieselmotor, dem Dosenöffner-, sondern entsteht häufiger aus der Kombination von vorhandenem Wissen. Zum Beispiel die Erfolgsgeschichte des Internets: Sie beginnt nicht 1977 mit der Erfindung des Internetprotokolls (IP), sondern 16 Jahre später, weil ein Wissenschaftler in der Schweiz Regeln dafür aufstellt, wie Daten von fremden Computern auf dem eigenen Monitor dargestellt werden, wenn man mit der Maus ein unterstrichenes Wort (Hyperlink) anklickt. Auch den ersten Personal Computer hecken 1976 nicht die Wissenschaftler in den Labors von IBM aus, sondern zwei Tüftler aus Cupertino in Kalifornien löten den Apple in einer Garage aus Einzelteilen zusammen, die es bei Firmen für elektronische Bauteile zu kaufen gibt. Beide Erfindungen, das World Wide Web und der Personal Computer, konnten nur entstehen, weil Entwickler mit Leidenschaft rechtzeitig erkannten, wonach bald Bedarf bestehen würde: Nach einfachem Zugang zu verteilten Informationen im ersten Fall, nach Computerleistung auf dem Schreibtisch im zweiten. Als nächstes steht nun die unternehmensweite Kommunikation auf dem Prüfstand. Merseburg, Studentenwohnheim 12, kein Ort für Kofferträger; Zimmer 511 kommt einer Garage schon recht nahe. Da hatte Rene Holzer bereits 1992 mit dem Thema für seine Diplomarbeit, die Entwicklung eines vermarktungsfähigen Produkts im Auge. Die Randbedingungen dafür waren eher "kalifornisch" Mit einer Gruppe von Programmieren wurde erstmals eine Anwendungssoftware für die Berechnung von Wärmeschutzwerten für die Baubranche Architekten und Bauingenieuren zur Verfügung gestellt. Zu den Auftraggebern und Kunden gehören die YTONG AG, die Wienerberger Ziegelindustrie und der Poroton Verband. Es folgten verschiedene Programme und Erweiterungsmodule. Mit diesem Programmen arbeiten ca. 6000 Anwender. Es folgten 1997 Aufträge für CD-ROM´s mit umfangreichen Berechnungsmodulen und integrierbaren Detailzeichnungen, für die Schlagmann Baustoffwerke, dem Poroton Verband und der Wienerberger Ziegelindustrie. Zur Erweiterung des Geschäftsfeldes gründete Holzer mit Partnern 1996 die BauNet GmbH . BauNet, als online Plattform für die Baubranche, überrascht mit guter Konzeption und Navigation. Es ist sofort zu erkennen, daß hier nicht Werbung sondern Information im Vordergrund steht. Die Studentenbude ist inzwischen gekündigt, die Macher haben Quartier in Halle bezogen, die Motivation haben sie mitgenommen und in einen Namen gegossen: "Nutzwerk" - mit einem fetten Ausrufezeichen im Logo. "Nutzwerk, das ist die Verbindung aus Netzwerk und Nutzen für den Anwender", erklärt Carsten Hummel, Namensgeber und Verantwortlicher für das Erscheinungsbild von Nutzwerk und seinen Produkten, den Anspruch. "Die Kunden wollen immer mehr, vor allem abrechenbaren Nutzen", beschreibt die Geschäftsführerin Ramona Wonneberger, die Kundenanforderungen. " Sie definieren die Abgrenzung vom Mitbewerbern durch ein verbessertes Dienstleistungsangebot. Im Vordergrund steht dabei die Optimierung der Kommunikation mit der Zielgruppe, den Kunden, Partnern und den eigenen Mitarbeitern, die Informationsbeschaffung sowie der Dokumentenaustausch auf schnellem, einfachem und kostengünstigem Weg." Die Idee, ein eigenes Produkt für die Bewältigung dieser Aufgaben zu entwickeln, manifestierte sich in den Köpfen von Nutzwerk. Die Entwicklung begann Anfang 1997. Sie nennen es I-Net Kommunikation. Die Fundgrube für die Ideen ist das Internet. Die Einzelteile sind bewährte, offene Standards. Die Leidenschaft: "Wir haben nur einen Konkurrenten: IBM mit Lotus Notes. Noch Fragen?" Das Durchschnittsalter der Entwickler liegt bei 28 Jahren. Der Bedarf - ein System für Betriebe, ein "Betriebssystem": ortsunabhängig, systemübergreifend, anwenderfreundlich. In der Summe eine Weltneuheit. I-Net Kommunikation Bis auf das Büro -"unsere Kunden erwarten immer noch ein repräsentatives Umfeld" - ist bei der Arbeitsweise des Teams alles beim Neuen geblieben: "Unsere Köpfe arbeiten verteilt an Standorten in Chemnitz, Nürnberg, und Halle". Das I-Net kommt dabei wie selbstverständlich zum Einsatz. "Daß unsere Zusammenarbeit trotz der räumlichen Entfernung so gut funktioniert, verdanken wir vor allem unserem Produkt", sagt Holzer, Chef der Entwicklung und gibt eine Kostprobe: "Kann ich mal Ihren Rechner benutzen?" Der Ingenieur öffnet den Browser und wählt sich ins Internet ein. Auf der Startseite des I-Net unter www.nutzwerk.de/i-net identifiziert er sich mit Benutzername und Passwort. Eine elegante Startseite baut sich auf, schlichte Benutzerführung. Ganz klar ein Werkzeug, kein Spielzeug. Man fühlt sich wohl. Nach erfolgreicher Einwahl informiert automatisch das Postmodul: 8 neue Briefe eingegangen. Wenn kein E-Mail, dann eben als Fax Und jetzt der umgekehrte Weg: Nachrichten sollen verteilt werden. Dazu wird im Browser das Adreßbuch (ein zentrales oder das private) geöffnet und die Empfänger und die Versandart ausgewählt. Nicht jeder hat E-Mail; dennoch muß jede Nachricht nur einmal verschickt werden. Sie erreicht dann eben als Fax das Ziel. Das I-Net nimmt zu diesem Zweck zum Ortstarif Kontakt mit dem Faxgerät in der entfernten Zentrale auf. Das wählt dann die Nummern und überträgt die Nachrichten. Auch andere Peripheriegeräte lassen sich aus der Ferne nutzen, zum Beispiel der Laserdrucker im Büro. Holzer wählt ein Kapitel aus der Dokumentation zum I-Net aus und schickt es direkt auf den Drucker in der Zentrale und schwärmt: "Bei uns paßt das mobile Büro in jeden Internet-Browser, egal auf welchen Rechner ich mich befinde. Das Betriebssystem und der Einwahlort spielt keine Rolle. Nicht einmal Software muß installiert werden." Darin liegt der Hauptunterschied zwischen Nutzwerks I-Net und IBMs Lotus Notes, das als Client auf jedem angeschlossenen Rechner installiert sein muß, ehe man damit arbeiten kann. Die Entwickler verzichteten lieber auf herstellerabhängige Formate, die sich für Anwender oft als Krücke erwiesen haben. Auch Java kommt im I-Net nicht zum Einsatz. HTML dagegen, auf das Nutzwerk setzt, ist aus Expertensicht ein Standard, "der noch in 100 Jahren lesbar ist". Ausdrucke gelangen als PDF auf Papier, eine Implementierung von Postscript, die sich bei wissenschaftlichen Publikationen durchgesetzt hat. Das Postmodul von I-Net ist populären E-Mail-Systemen im Worldwide Web wie Hotmail deutlich überlegen. Dafür sorgen automatische Löschfunktionen, verschiedene Signaturen, frei definierbare Filter, ständiges Einblenden von Tips und eine hohe Usability. Nutzwerk will dieses Modul auch Privatanwendern kostengünstig zur Miete anbieten und positioniert sich damit direkt gegen Microsoft, das sich Hotmail einverleibt hat. Das Erscheinungsbild läßt sich zudem ohne weiteres an die Corporate Identity des jeweiligen Unternehmens anpassen. Adieu Administrator "Wir begreifen das Internet als wirkliches Arbeitsmedium. Unser Ziel ist es, die Realität der betrieblichen Kommunikation unter einer einfach zu bedienenden Oberfläche abzubilden". Vorhandene Lösungen tangierten zwar verschiedene Bereiche, etwa Benutzerverwaltung oder Konferenzsysteme. Aber entweder braucht das Unternehmen dafür einen Systemverwalter, oder der Anwender ein ganzes Bündel Programme. Im I-Net dagegen ist die Lösung kompakt, die Lernkurve flach. Alle im Unternehmen eingesetzten Programme können weiterverwendet werden. Niemand muß sich um Fragen der Installation oder Aktualisierung kümmern - und das zu einem Preis, der weit unter dem herkömmlicher Lösungen liegt. Der Kunde hat die Wahl zwischen Kauf des Systems oder Miete inklusive Pflege eines virtuellen Servers bei Nutzwerk. Eine Standard-Serverlizenz ist bereits ab 8000 Mark zu haben. Der Kunde erhält dafür sogar einen Server, den er nur noch anstecken muß. Zusatzdienste wie WWW-Service oder Site-Blocking gibt es ab 200 Mark monatlich. Eine besondere Rolle spielen Sicherheitsaspekte. Das System unterscheidet drei Gruppen von Nutzern: Interne, externe und öffentliche. Alle Dokumente lassen sich mit Rechten versehen, die über den Grad des Zugriffs entscheiden. Der Chef kann zum Beispiel vom Schreibtisch aus entscheiden, welcher Mitarbeiter, wann ins Internet kann, oder nur Module wie «Post« oder «Konferenz« freischalten. Üblicherweise muß der Server eines Unternehmens ständig mit dem Internet verbunden sein, damit externe Mitarbeiter auf spezielle Dokumente zugreifen, eigene Dokumente publizieren oder Nachrichten an Kollegen verschicken können. Anders beim I-Net: Der Server im Unternehmen, der die Daten enthält, braucht keine Standleitung. Nur bei Bedarf wird eine Verbindung zu den vorgelagerten Servern von Nutzwerk hergestellt. Dadurch spart das Unternehmen Verbindungskosten und schützt sich wirksam vor Angriffen. "In einen Server, den man nicht sieht, kann man auch nicht einbrechen", sagt Holzer. Da klingelt sein Handy. Es ist der Nutzwerk-Server. Der schickt eine SMS-Textnachricht ins Display: In 10 Minuten beginnt Ihre Online-Konferenz." - Verblüffend.
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